Wollen wir nicht alle mal unserem Chef das sagen, was uns durch den Kopf geht? Aber leider tun wir es doch nicht, weil wir eigentlich alle unseren Job behalten wollen, nicht wahr?

Ich war also nicht gerade eine, die die Chance genutzt hat, um meinen damaligen Chefs genau zu sagen, wie ich mich gefühlt habe. Ich konnte niemals Nein sagen, geschweige denn ein anderes Problem ansprechen, welches ich mit meinen Chefs hatte. Und ich wette, es ist für die meisten unter uns dasselbe.

Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich in der Automobilbranche, und es ist wirklich nicht nur alles shiny shiny und Luxusautos. Besonders, wenn dein Chef die männliche Version der Hauptfigur im Film „Der Teufel trägt Prada“ ist. Zu Beginn meiner Karriere in der Automobilbranche wusste ich nicht, ob dieses Verhalten normal oder nur gegen mich gerichtet war. Aber schnell wurde mir klar, dass alle sich so fühlten und alles dafür tun würden, um unsere Chefs zufrieden zu stellen. Die mussten uns nur „Spring!“ zurufen, und wir fragten nur: „Wie hoch?“

Eigentlich liebte ich jeden meiner Jobs, aber vielleicht nicht unbedingt meine Chefs. Und nach vielen Momenten und Situationen voller Frustration kam mir die Idee, einen fake-Brief an meine Chefs zu schreiben, um mir selbst zu helfen und letztendlich mich vor dem Platzen zu bewahren. Da ich meinen Job immer behalten wollte, schien dies der beste Weg zu sein – und dabei ist es ganz wichtig, diesen Brief niemals, wirklich niemals zu verschicken. Auf jeden Fall wünschte ich, ich könnte meinem Chef Folgendes sagen:

Liebe/r Chef/in

1. Das ist nicht mein Name

Ich bin mir nicht sicher, ob Sie es nur tun, um mich zu ärgern, oder ob Sie wirklich meinen Namen nicht kennen. Aber ich kann ihnen eins ganz klar sagen, dass mein Name nicht Alize, Assisse, oder sonst ist! Ich finde es sogar viel schlimmer, wenn sie mich als „die da“ ansprechen, anstatt mit einem falschen Namen. Wie sieht das denn bitte aus, wenn Sie sich nicht einmal einen Namen merken und richtig aussprechen können? Ich denke, Sie machen es absichtlich, und deshalb habe ich damit aufgehört, Sie zu korrigieren, weil es sinnlose Verschwendung meines Atems ist. Mein Name ist Azizé.

2. Ich stehe Ihnen nicht rund um die Uhr zur Verfügung

Ich bin nicht Ihr persönlicher Assistent! Überrascht es Sie, jemals daran zu glauben, dass ich ein Leben außerhalb der Arbeit habe? Es macht mir nichts aus, da auszuhelfen, wo ich gebraucht werde, weil ich weiß, dass Erfolg nicht einfach so über Nacht passiert, und ich bin bereit, dafür zu arbeiten und alles zu geben. Aber wenn ich an einem Sonntagabend um 23 Uhr eine Nachricht bekomme, dann kann ich nicht anders als zu denken: „Kann es nicht bis Montagmorgen warten?“. Dieser Vorfall findet ja nicht selten statt, sondern einfach die ganze Zeit. So wie es ist, habe ich mehr Kontakt mit meinem Chef als mit Freunden. Nicht nur für mich, sondern für alle wäre es schön, von der Arbeit auch mal abzuschalten, aber das kann man schlecht machen, wenn man ständig Nachrichten und Anrufe bekommt und erwartet wird, dass ich auch antworte. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn ich es nicht tun würde, aber was ich weiß, ist, dass jeder für Sie leicht austauschbar ist und es kein großes Problem für sie sein würde.

3. Sie ändern die Stimmung, wenn Sie den Raum betreten

Ich habe an vielen Orten gearbeitet, wo alle aufhören zu sprechen, sobald der Chef den Raum betritt. Sie sind die Person, die uns diszipliniert und Sie fürchten lehrt. Ich respektiere alle meine Chefs, aber bei ihnen ist es nur Furcht. Sie bringen nicht nur Angst in jeden Raum, sondern verändern gleich die ganze Stimmung. Wir könnten einen wirklich glücklichen, positiven und tollen Morgen haben, aber dann kommen Sie herein, und alles ändert sich. Sie sagen nicht „Guten Morgen“, wenn Sie an unseren Schreibtischen vorbeikommen, sondern sagen uns, was wir falsch machen. Very nice! Schön, Sie auch zu sehen!

4. Wenn Sie mit mir sprechen, machen Sie mich nervös

Die einzige Art und Weise, mit schwierigen Personen umzugehen, ist für mich, mit ihnen so umzugehen, wie sie mit mir umgehen. Aber wenn es der eigene Chef ist, ist es etwas anderes. Wenn Sie nur jemand anderes wären, dann hätte ich ihnen genau gesagt, was ich denke. Aber leider geht das nicht, weil Sie die Person sind, die meinen Lohn zahlt. Ich bin nicht von Ihnen eingeschüchtert, aber wenn Sie so mit mir sprechen, wie Sie es tun, fällt es mir schwer, überhaupt zu sprechen. Ich habe viel zu sagen und viele gute Ideen, aber wenn Sie mich mit diesen durchdringenden Augen zerstören, bleibt mir nichts anderes übrig. Einmal hatte ich mich mit einem Problem an Sie gewandt, und da haben sie mich mitten im Satz unterbrochen und haben wirklich über etwas anderes gesprochen. Bitte hören sie damit auf!

5. Ich verstehe Sie

Ich weiß, was es bedeutet, der Boss zu sein. Wahrscheinlich ist es schrecklich. Sie können niemals jemandem gefallen und jeder spricht hinter Ihrem Rücken über Sie. Das ist, was der Job mit sich bringt. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, das Unternehmen zu leiten, und ich bewundere Sie wirklich und respektiere, was Sie tun. Es braucht eine besondere Persönlichkeit, so etwas zu tun. Aber Sie müssen auch erkennen, dass Sie auch ein besserer Mensch sein könnten.

Bitte beachte, dass ich diesen Brief vor 10 Jahren geschrieben habe. Heute bin ich mein eigener Chef, und gehe mit Mitarbeitern und Freelancer so um als wären sie meine Geschäftspartner.